# zweiundzwanzig

Beide greifen nach demselben Buch, ihre Hände berühren sich. Statische Energie entlädt sich in einem Funken.

„Wow“, denkt er, „sie liest Jane Austen.“ Ein breites – vermutlich bescheuertes, denkt er – Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht, ohne dass er etwas dagegen tun kann. „Los“, sagt sein Herz, „sag was!“

„Ich weiss nicht recht“, antwortet der Verstand, „sie liest ,Persuasionʻ – vielleicht hat sie ihr Herz schon lange verschenkt und wartet nun vergeblich, oder eben nicht vergeblich, auf die Rückkehr ihres Geliebten. Oder sie kauft das Buch für ihren Lesezirkel, wo sie eigentlich ,Pride & Prejudiceʻ lesen, sie aber mit ihrem Jane-Austen-Wissen punkten will, weil sie heimlich in ihren Sitznachbarn verliebt ist. Oder sie kauft das Buch für ihren Verlobten, der ihr beim Heiratsantrag noch auf Knien geschworen hat, dass er ihretwegen alle sechs Jane-Austen-Bücher liest, obwohl er eigentlich lieber die Mad-Max-Filme sehen würde. Du siehst also, Du hast keine Chance!“

„Blödsinn!“, sagt das Herz, aber sein Mund hat bereits „Viel Spass damit!“ und „Schönen Tag noch!“ gesagt und seine Beine tragen ihn Richtung Ausgang.

„Wow“, denkt sie und schaut ihm durch den Buchladen nach, „er liest Jane Austen …“

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